Ratenzahlung, Zahlpause und Kredite im Versandhandel
Moderne Kleidung, schöne Möbel oder die neuesten Technik-Trends allein reichen in diesen Zeiten nicht immer aus, um den Kunden zum Kauf zu verführen. Auch Rotstiftpreise oder Schwindel erregend hohe, verlockende Preisnachlässe schaffen es in wirtschaftlich angespannten Zeiten nicht immer, den Kunden von „Kauf mich“ zu überzeugen. Sind die Geldbörsen leer, ist auch das günstigste Angebot unerschwinglich. Eine wichtige Rolle bei der Konsumfreudigkeit spielen daher immer mehr Faktoren wie die angebotenen Zahlungsarten, die Möglichkeit, Kredit beim Unternehmen zu bekommen und die Rechnung per Ratenzahlung zu begleichen oder der Zeitpunkt, an dem der Kunde eine Rechnung bezahlen muss.
In turbulenten Zeiten, in denen alles immer ganz schnell und sofort gehen muss und Mode, Technik & Co. eine Halbwertzeit von nur wenigen Monaten - wenn überhaupt – haben, bringt kaum noch jemand die Geduld auf, brav auf das gewünschte Objekt der Begierde zu sparen. Der „Kauf auf Pump“ ist Normalität und salonfähig geworden.
Die großen Versandhäuser und zunehmend auch kleinere Händler haben auf diese Entwicklung schon lange reagiert und bieten Ihren Kunden im Bestellprozess verschiedene Zahlarten und unterschiedliche Zahlungszeitpunkte an. Dem Kunden auch hinsichtlich der Zahlungsmöglichkeiten individuell gerecht zu werden und ihm seine bevorzugte Zahlungsweise anzubieten sowie Kredit zu gewähren, ist ein entscheidender Erfolgsfaktor im Versandhandel und E-Commerce geworden.
Klassischerweise ist die Zahlung per Rechnung oder Bankeinzug beziehungsweise im Lastschriftverfahren und zunehmend auch per Kreditkarte, Nachnahme, Barkauf oder Giropay möglich. Beim Kauf auf Rechnung wird der Kunde aufgefordert, die Rechnung in der Regel 14 Tage nach Erhalt der Ware zu bezahlen, in dem er den Rechnungsbetrag auf das Konto des Versandhändlers überweist. Kreditkarten werden häufig innerhalb von 24 Stunden nach Bestelleingang belastet. Das Kreditkarten ausgebende Institut wiederum rechnet in der Regel erst zum Monatsende ab. Beim Kauf per Nachnahme wird Ware gegen Bares getauscht, also der Betrag bei Zustellung der Ware eingeholt usw..
Neben den verschiedenen Zahlungsarten kann der Kunde auch wählen, ob er die Rechnungssumme in einem Betrag oder in Teilbeträgen bezahlen möchte. Er kann eine Ratenzahlung vereinbaren. Weiterhin hat er die Möglichkeit, eine Zahlpause in Anspruch zu nehmen oder beides: Ratenzahlung und Zahlpause miteinander zu kombinieren.
Bei der Ratenzahlung gewährt das Unternehmen dem Kunden Kredit, den dieser in monatlichen Raten per Banküberweisung tilgt oder indem er dem Unternehmen eine Einzugsermächtigung erteilt, damit dieses den Betrag monatlich von seinem Girokonto abbucht. Das vom Versandhändler gewährte Darlehen muss der Kunde nebst Zinsen an ihn zurückzahlen. Dabei liegt die Laufzeit des Kredits in aller Regel zwischen 3 und 48 Monaten. Der effektive Jahreszins variiert je nach Anzahl der Monatsraten. Er liegt meist zwischen 11,90 Prozent und 12,12 Prozent (Stand August 2009) .
Mit der Zahlpause wird es dem Kunden gegen Aufschlag ermöglicht, seine Rechnung erst nach Ablauf einer bestimmten Zeit, meist zwischen 77 und 100 Tagen bezahlen zu müssen.
Bietet der Versandhändler einen Ratenkredit und oder eine Zahlpause an, dann meist nur unter der Voraussetzung, dass der Kunde eine entsprechende Bonität besitzt. Die Bonität wird wie bei Bankkrediten durch Scorings ermittelt und überprüft. Hier kann neben einer Schufa-Abfrage auch die bisherige Kundenbeziehung und das Verhalten des Kunden in der Vergangenheit zur Bewertung herangezogen werden.
Unser Tipp: So verlockend die Angebote auch sind, es sollte immer mit kühlem Kopf und Ratio kalkuliert werden. Es ist zu überlegen, für welche Anschaffungen tatsächlich ein Kredit beantragt werden sollte. Der Kunde muss sich die Frage stellen, ob er beispielsweise Mode und Kleidung über Monate per Ratenzahlung abstottern möchte, wenn er diese vielleicht bald gar nicht mehr trägt, aber immer noch dafür bezahlt.
Daneben sollten die Kreditangebote der Versandhändler mit denen anderer Kreditinstitute verglichen werden. Beispielsweise kann ein Konsumkredit bei einer Bank günstigere Konditionen haben, als die angebotene Ratenzahlung der Versender. Wichtig ist dabei, dass immer der effektive Jahreszins verglichen wird. So ist eine objektive Beurteilung der Konditionen möglich.
Geschrieben von RHa am 19.08.2009 um 23:03:11- Bonität (5)
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